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Entrepreneur des Jahres - Sieger und Finalisten - Die Sieger 2009 - Roth & Rau AG - Ernst & Young - Deutschland

Dr. Dietmar Roth, Dr. Bernd Rau und Professor Silvia Roth, Roth & Rau AG, Hohenstein-Ernstthal

„Entrepreneur des Jahres 2009“ in der Kategorie Industrie

Forschungsergebnisse zum lukrativen Geschäft wandeln, das ist den Physikern Silvia und Dietmar Roth sowie Bernd Rau eindrücklich gelungen: Ihre Roth & Rau AG wuchs zu einem Konzern und führt in einigen Bereichen den Weltmarkt an. Für ihre Innovationskraft und ihre unternehmerischen Leistungen wird dem Trio der Titel „Entrepreneure des Jahres 2009“ in der Kategorie Industrie verliehen.

Die Entrepreneure

Vom Hörsaal ins eigene Unternehmen. Was heute nach dem Werdegang von Absolventen klingt, gelang 1990 drei erfahrenen Forschern des Fachbereichs Physik der Technischen Universität Chemnitz. Mit seiner Frau Silvia und seinem Studienkollegen Bernd Rau nutzte Privatdozent Dietmar Roth die Chancen der Wiedervereinigung und gründete die Roth & Rau Oberflächentechnik GmbH. „Ziel war es, unser Wissen und die an der Universität entwickelte Technik zu vermarkten“, erzählt Dietmar Roth. Das Trio hatte sich bei der Erforschung der  Behandlung von Oberflächen zusammengefunden. Bernd Rau und Silvia Roth erarbeiteten dabei rund ein Dutzend Patente in der Plasma- und Ionenstrahltechnik zur Aufbringung und Bearbeitung dünner Schichten: Technik, die in der Industrie und bei Forschungsinstituten gefragt ist. Zehn Jahre nach dem Start fokussierten sie das Unternehmen auf die Solarindustrie. Durch Übernahmen wächst aus dem Spezialisten einer der weltweit führenden Ausrüster für diese Branche. Dabei teilten sich die Freunde die Aufgaben: Dietmar Roth kümmerte sich um die Strategie des Unternehmens, Bernd Rau um die Weiterentwicklung der Technik und die Qualität, Silvia Roth um den Vertrieb. Nach dem Börsengang im Jahr 2006 zogen sich Bernd Rau und Silvia Roth aus der Führung der Gesellschaft zurück, um sich stärker der Forschung und der Lehre zu widmen. Rau leitet mit der Roth & Rau-Tochter Neuchatel quasi die Forschungsabteilung der Gruppe, Roth kümmert sich weiterhin um das Marketing, als Honorarprofessorin der Hochschule für Technik in Zwickau aber auch um die Ausbildung von Ingenieuren.

Die Innovation

Plasma gilt unter Physikern als vierter Aggregationszustand. Die gasförmigen Stoffe zeichnen sich durch eine hohe Konzentration von elektrisch geladenen Teilchen aus. Diese lassen sich auf anderen Materialien aufbringen und helfen bei der Bearbeitung von Oberflächen. „In den 90er Jahren hat Roth & Rau auf Kundenbedürfnisse zugeschnittene Plasmatechnologien für die Bearbeitung von Oberflächen in diversen Industrie-Branchen entwickelt“, berichtet Dietmar Roth. Ende der 90er entwickelt das Unternehmen aus Hohenstein-Ernstthal die erste Siliziumnitrid-Beschichtungsanlage, kurz Sina, mit der der Einstieg in die Solarindustrie gelingt. In den Folgejahren konstruiert Roth & Rau außerdem innovative Verfahren für die beidseitige Beschichtung und für die Bearbeitung besonders dünner Schichten. Mit Partnern bauen die Sachsen zudem Maschinen zur kompletten Produktion von Solarzellen, so genanntes Advanced Solar Cell Manufacturing (ASCM): „Unsere Anlagen arbeiten im Durchlaufverfahren und zeichnen sich durch Massenproduktionstauglichkeit, geringe Betriebskosten und hohe Flexibilität aus“, erklärt Dietmar Roth. „Basierend auf der Anlagetechnik führender Hersteller und innovativer Solarzellenkonzepten ermöglicht das ASCM-Konzept die rasche Inbetriebnahme einer Solarzellenfertigung.“ Neuestes Angebot der Ausrüster sind Fertigungsanlagen für die Herstellung von Solarmodulen aus Cadmium und Tellurid, eine preisgünstigere Alternative zum kristallinen Silizium.

Das Wachstum

Erste Kunden für die Plasmatechnologien sind Forschungseinrichtungen und die verarbeitende Industrie, seit Mitte der 90er Jahre auch Unternehmen in Asien. Für die großflächige Vermarktung der Siliziumnitrid-Beschichtungen und die Konzentration auf die Solarindustrie firmiert Roth & Rau 2001 in eine Aktiengesellschaft um und beteiligt den schwäbischen Maschinenbauer Rohwedder zu 60 Prozent. Das damit ins Unternehmen fließende Kapital wird in die Erweiterung der Produktionsflächen und zur Gründung von Vertriebstöchtern im Ausland genutzt. Das zahlt sich aus: Mit der nächsten Generation der Sin-Anlagen setzt sich Roth & Rau an die Spitze des Wettbewerbs, 13 der führenden Hersteller von Solarmodulen arbeitet mit den Anlagen von Roth & Rau. In diesem Geschäftsbereich ist Roth & Rau weltweit Marktführer. Ein weiteres Standbein im Bereich Photovoltaik stellen schlüsselfertige Produktionslinien zur Herstellung kristalliner Silizium-Solarzellen dar. Auch zur Vermarktung dieser Technologie nimmt das Unternehmen Geld auf – dieses Mal an der Börse. Investor Rohwedder trennt sich dabei von einem Großteil seiner Anteile, der Börsenerlös fließt zudem in Zukäufe, etwa in Unternehmen, die Software zur Anlagensteuerung entwickeln oder den Einstieg in die Cadmium-Tellurid-Beschichtung erleichtern. So gelingt gerade in den vergangenen Jahren ein imposantes Wachstum: Seit 2004 hat sich die Zahl der Mitarbeiter auf über 600 mehr als verzehnfacht und die Erlöse schossen auf rund 270 Millionen Euro (2008). Nicht umsonst schafft es Roth & Rau an der Börse in den TecDax – durch einen vorsorglich platzierten Millionen-Kredit befindet sich ausreichend Geld in der Kasse für Investitionen in die Forschung und strategische Übernahmen.

Die Vision

Der Anlagenbau, ein weltweit gespanntes Vertriebsnetz, Forschungs- und Entwicklungsabteilungen in Deutschland, Schweiz und in Australien: Knapp 20 Jahre nach der Gründung hat sich die Roth & Rau AG eine übersichtliche Konzernstruktur verpasst, die Partnerschaften mit Universitäten, Joint Ventures wie das mit den Automatisierungsspezialisten von USK Karl Utz Sondermaschinen oder weitere Zukäufe zulässt. 2009 verstärkte Roth & Rau etwa durch den Kauf von Romaric in den USA sowie von Ortner Cleanroom Logistic Systems die Kompetenzen in der Entwicklung von Systemen für das Fertigungsmanagement sowie die Installation und Wartung von Produktionslinien in der Chip- und Solarindustrie. Neben der Nutzung neuer Plasmatechnologien zur Verbesserung von Solarmodulen soll auch das Geschäft mit den Dienstleistungen rund um die Auslastung der Anlagen wachsen. Nicht zuletzt sorgt die Forschungsabteilung mit weiteren Bearbeitungs- und Beschichtungsverfahren für Oberflächen für neue Geschäfte. Auch als Unternehmer bleiben Forscher eben gerne Forscher.

Roth & Rau AG, Hohenstein-Ernstthal

Knapp 20 Jahre nach dem Start ist Roth & Rau ein weltweit agierender Anbieter von Verfahren zur Bearbeitung von Oberflächen. Hauptsächlich beliefert die Gesellschaft die Solarindustrie. Für Roth & Rau arbeiten 2008 über 600 Menschen. Der Umsatz betrug 2008 rund 270 Millionen Euro.

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