Fred Jung, Matthias Willenbacher, juwi Holding AG, Wörrstadt
„Entrepreneur des Jahres 2009“ in der Kategorie Dienstleistung Aus einem Zwei-Mann-Planungsbüro haben Fred Jung und Matthias Willenbacher einen weltweit agierenden Dienstleister rund um die Projektierung und Finanzierung von Anlagen für erneuerbare Energien geschmiedet: Für diese unternehmerische Leistung werden sie zum „Entrepreneur des Jahres 2009“ in der Kategorie Dienstleistung gekürt.
Die Entrepreneure
Einen Traum haben sich Fred Jung und Matthias Willenbacher bereits erfüllt: Die Zentrale ihres Unternehmens juwi Holding in Wörrstadt südlich von Mainz produziert mehr Energie als die Mitarbeiter verbrauchen. Der lichte Holzbau wird mit Pellets geheizt, Sonnenkollektoren liefern Strom und demnächst ergänzen Abfälle aus der Kantine die hausgemachte Energie: Jung und Willenbacher sind überzeugt, dass im Mix erneuerbarer Energien sich schon in wenigen Jahren an vielen Orten ein sicheres, umweltfreundliches, von Importen unabhängiges und preisstabiles Energieversorgungssystem aufbauen lässt. Seit 1996 konzipiert und entwickelt der Agrarökonom zusammen mit Willenbacher die Anlagen, die aus Wind, Sonne, Wasser, Erdwärme und Bioabfällen Energie ziehen. Es sind wohl die Wurzeln, die das Handeln der Entrepreneure prägen: Beide wuchsen auf Bauernhöfen auf, Willenbacher in Gerbach und Jung im benachbarten Kirchheimbolanden in Rheinland-Pfalz. Sie trafen sich 1995, als die Landjugend die Chancen der Windenergie diskutierte, und bemerkten sofort, dass jeder für sich am gleichen Plan arbeitete, nämlich ein Windrad zu bauen. Sie brachten ihr Wissen zusammen und gründeten, nachdem die erste Anlage zuverlässig Strom lieferte, 1996 das Planungs- und Projektbüro Jung & Willenbacher Windenergie, heute kurz juwi. Seither hat das Duo über 800 Solar- und über 350 Windkraftanlagen unterschiedlichster Größe in aller Welt konstruiert. „Wir wollen dazu beitragen“, meint Physiker Willenbacher, „die Bedürfnisse heutiger Generationen zu erfüllen, ohne die Handlungsmöglichkeiten künftiger Generationen einzuschränken.“
Die Innovation
Ölkrise, Diskussionen um Atomstrom und der Fortschritt hatten bis Mitte der 90er Jahre eine Nachfrage nach regenerativer Energie geschaffen. Während sich jedoch die Konkurrenz meist auf eine Energie konzentriert, setzen Jung und Willenbacher auf verschiedene Quellen. Nach der Windkraft erarbeiten sie sich Fertigkeiten in der Solar- und Biogastechnik, neuerdings experimentiert die Firma mit Wasser und Geothermie. Erneuerbare Energien stehen zwar unendlich zur Verfügung, doch Klima- und Standortfragen beeinflussen die Ausbeute. Sicherer ist es also, die Möglichkeiten zu verknüpfen. Zudem will das Duo, den Energiebedarf in möglichst vielen Regionen rein regenerativ stillen. Auch dafür sollten alle Energiequellen auf ihre Tauglichkeit abgewogen werden können. Nötig sind dafür allerdings oft nicht nur Anlagen, sondern mehr noch Partnerschaften: mit langjährigen Lieferanten etwa, die Technologien an Bedürfnisse anpassen; mit Banken und Investoren, die Projekte finanzieren; oder mit Gemeinden und Stadtwerken, die neue Energien nutzen wollen. So realisiert juwi wegweisende Projekte wie die Morbacher Energielandschaft 40 Kilometer östlich von Trier. Hier errichtet das Unternehmen Windräder, installiert Solarzellen auf öffentlichen und privaten Gebäuden, plant mit den Bauern der Region Biogasanlagen und konstruiert eine Holzpellet-Produktion zur Erzeugung von Wärme. Das Trinkwasser der Region wird mittlerweile solar aufbereitet, die 11.000 Einwohner von Morbach sind unabhängig vom öffentlichen Stromnetz und viele Bauern gewinnen nun auch Strom. Bis 2015 soll die Region autark in Sachen Strom sein. „Die Menschen müssen die Windräder nicht schön finden, aber sie müssen wissen, dass sie nützlich sind“, sagt Willenbacher und Jung ergänzt: „Der Fortschritt kommt, man muss ihn nur wollen.“
Das Wachstum
Die Erziehung prägt: Learning by doing heißt die Devise bei den Gründern, Nur selbst Erfahrenes können sie ihren Kunden glaubhaft veranschaulichen. Auch die finanzielle Planung ist bodenständig. „Wir geben nur das Geld aus, das wir einnehmen“, sagt Kaufmann Jung und der Physiker Willenbacher ergänzt: „Bei den ersten Photovoltaik- und Bioenergieprojekten stand nie die optimale Rendite im Vordergrund, sondern der Lerneffekt.“ Zunächst projektieren die beiden die ersten Anlagen allein, erarbeiten sich sukzessive Erfahrungen in anderen Technologien, weiten so ihren Kundenkreis aus und stellen erste Mitarbeiter an. Der Durchbruch erfolgt mit dem neuen Gesetz für Erneuerbare Energien 2004. Die Einspeisung von Ökostrom bringt den Lieferanten fortan garantierte Vergütungen und sorgt für Investitionssicherheit. Der Jahresumsatz von juwi schnellt sofort in die Höhe und beträgt aktuell 600 Millionen Euro. Die Zahl der Mitarbeiter wächst auf rund 600 Angestellte. Bis 2011 will juwi die Umsatzmilliarde erreichen. Längst plant, finanziert und realisiert das Unternehmen auch im Ausland Anlagen und unterhält Büros in Europa und Amerika.
Die Vision
Gut möglich, dass wie beim Firmensitz diese Planungen von der Realität übertroffen werden. Wegen des schnellen Mitarbeiterwachstums befindet sich in Wörrstadt bereits das nächste Gebäude im Bau. Große Hoffnungen setzt juwi auf die USA, denn dort hat Präsident Barrack Obama die Energiewende eingeläutet und fördert regenerativen Strom. In Deutschland sparen immer mehr Verbraucher an konventioneller Energie. Die Stadtwerke entdecken mit dem sauberen Strom neue Geldquellen: „Sie sind zunehmend daran interessiert, Zugriff auf eigene, regenerative Kraftwerke zu haben, um den Strom direkt zu vermarkten“, beobachtet Willenbacher. Er rechnet damit, dass in wenigen Jahren die Subventionen für erneuerbare Energien abgebaut werden und der Markt sich selbst trägt. juwi kann dennoch weiter wachsen: Der Elektromotor startet gerade durch und mit seiner Verbreitung wächst der Bedarf an regenerativen Energien weiter. „Für Elektroautos brauchen wir kein einziges konventionelles Kraftwerk“, ist sich Willenbacher sicher. Er setzt für die Prognose auf einen Mix aus Wind und Sonne. Schon sind auf dem juwi-Gelände die ersten Carports installiert, die aus Sonnenkraft den Jahresverbrauch eines Stromers produzieren. Sobald es das Angebot zulässt, soll die Firmenflotte mit eigens produziertem Strom fahren.
juwi Holding AG, Wörrstadt
Aus einem Zwei-Mann-Büro gewachsen projektiert die juwi Holding AG weltweit Anlagen zur Gewinnung erneuerbarer Energien. Das Unternehmen mit Sitz in Wörrstadt setzt 600 Millionen Euro um und beschäftigt rund 600 Mitarbeiter.