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„Gute Fragen eröffnen neue Horizonte“

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Was ist eine gute Frage? Und können gute Fragen die Welt ein Stück besser machen? Der Zukunftsforscher Matthias Horx über die Fragen von Kindern, den richtigen Standpunkt und die besseren Antworten.
 

Was macht eine gute Frage aus?

Matthias Horx: Eine gute Frage durchbricht das übliche Kausaldenken. Damit löst sie produktive Denkprozesse im Gehirn aus, die vorher nicht aktiv waren. Und sie geht von einer möglichen Lösung aus - nicht von einem Problem.

Kinder stellen gute Fragen. Sie sind unschuldig, staunen über die Welt – und eröffnen sich damit ganz neue Räume und Horizonte. Wenn wir wissen wollen, wie wir gute Fragen stellen, können wir viel von Kindern lernen.

Haben Sie eine Lieblingsfrage?

Horx: Nicht nur eine, sondern gleich mehrere. Die meisten davon habe ich in dem Buch „The Hidden Pleasures of Life“ des Philosophen Theodore Zeldin gefunden: Was ist das größte Abenteuer unserer Zeit? Warum fühlen sich so viele Menschen ungeliebt und nur halb am Leben? Wie kann ein Ungläubiger einen Glaubenden verstehen? Und wie kann man anders über die Zukunft sprechen als vor ihr zu warnen oder sie zu prophezeien?

Und was ist eine schlechte Frage?

Horx: Die schlechte Frage bestätigt das, was man schon weiß. Eine Frage, die mit „Glauben Sie nicht auch, dass …?“ beginnt, ist das beste Beispiel dafür. Sie fragt nach dem Schuldigen. Aber eigentlich will sie gar nichts wissen. Und sie bezieht sich immer auf einen bekannten Standpunkt − im Gegensatz zu einer guten Frage, die sich auf einen neuen und unbekannten Standpunkt einlässt. Nur das bringt den Fragesteller dazu, auch über seine eigenen Motive, Vorurteile und Absichten nachzudenken. Eine gute Frage macht im wahrsten Sinne des Wortes neu-gierig.

Welche Rolle spielt der Angesprochene bei einer Frage?

Horx: Eine sehr große. Die Frage kann nur so gut sein wie derjenige, der sie beantwortet. Je unterschiedlicher die Gruppe der Befragten ist, umso besser wird auch die Frage. Denn das führt zu unterschiedlichen und damit zu besseren Antworten.

Können gute Fragen die Welt verbessern?

Horx: Ja – vor allem dann, wenn sie aus der Zukunft heraus gestellt werden. Also im Sinne von: Wie kommen wir dahin? Und sie dürfen nicht eindimensional sein, sondern müssen immer verschiedene Aspekte der Wirklichkeit berücksichtigen.

Gute Fragen „umarmen“ die Vielfalt unseres Lebens und unserer Welt. Sie kümmern sich nicht um korrekte Antworten. Aber sie machen den Blick frei für neue Möglichkeiten.

 

Matthias Horx ist Zukunftsforscher und Publizist. 1998 hat er das Zukunftsinstitut gegründet, das heute einer der einflussreichsten Think-Tanks der europäischen Zukunftsforschung ist. Das Institut geht der Frage nach, welche Trends und Megatrends unsere Gegenwart prägen und welche Rückschlüsse sich daraus für die Welt von morgen schließen lassen.